a

 

 

Diabetes bei Katzen und Hunden ist kein Todesurteil!



Atme nach der Diagnose tief durch und fange an, dich zu informieren. Dann wirst du die Einstellung deines Tieres gut hinbekommen, in Kooperation mit einem kompetenten Tierarzt! Lies dir bitte dieses Dokument durch, du wirst dann sicher merken, ob dein TA gut Bescheid weiß.



Diabetesanzeichen:
a) übermäßige Wasseraufnahme
b) übermäßiges Urinieren
c) ständiger Hunger
d) Gewichtsabnahme trotz guter Futteraufnahme

Bei fortgeschrittener Erkrankung fällt den Tierhaltern auch Appetitmangel (Anorexie), apathisches Verhalten und Erbrechen auf. Manche Katzen zeigen eine Schwäche in den Hinterbeinen, die sich beim Laufen und Springen bemerkbar macht (diabetische Neuropathie). Statt einer vermuteten Arthrose wird dann beim TA oft die Diagnose Diabetes Mellitus gestellt.


Diabetestypen
Typ 1: Die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse stellen kein Insulin mehr her (selten bei Katzen). Dieser Typ ist immer insulinpflichtig.

Typ 2: Im Körper zirkuliert zwar Insulin, aber die Aufnahme durch die Körperzellen ist gestört. Sie werden gegen das Insulin resistent. Je nach Schweregrad kann Typ 2 insulinabhängig sein oder auch nicht.

Sekundärer Diabetes tritt oft im Gefolge anderer Erkrankungen auf: z. B. bei Pankreatitis, kranken Zähnen und Zahnfleischerkrankungen, Tumoren, chronischen Harnwegsinfektionen, Schilddrüsenüberfunktion und durch die Verabreichung von Glukokortikoiden (Cortison) oder Progestagenen (zwecks Unterdrückung der Rolligkeit). Solange das Grundübel nicht beseitigt ist, lassen sich diese Tiere nicht oder nur schwer einstellen. Vor einer Insulinbehandlung bzw. parallel zur Einstellung sollten diese Erkrankungen abgeklärt werden.


Diagnose
Die Diagnose erfolgt beim Tierarzt durch ein Blutbild. Ganz wichtig ist bei der Erstdiagnose die Bestimmung des Fructosaminwertes, eines stress-unabhängigen Langzeitwertes. Katzen neigen nämlich beim TA zur Stresshyperglykämie, d.h. sie haben dort sehr hohe Zuckerwerte, ohne an Diabetes erkrankt zu sein.
Bei der Diagnose sind oft auch die Leberwerte deutlich erhöht, das gibt sich in der Regel schnell durch die einsetzende Behandlung.

Vor Beginn der Insulinbehandlung sollte man eine Schilddrüsenüberfunktion ausschließen durch die Bestimmung des T 4- Wertes. Die Symptome sind dem Diabetes anfangs recht ähnlich (s.o.).

Eine gründliche Kontrolle von Zahnfleisch und Zähnen ist ebenso zu empfehlen!

Auch sollte darauf geachtet werden, ob das Tier unlängst Cortison bekommen hat.
Cortison ist bei diabetischen Tieren kontraindiziert und sollte nur noch in Notfällen gegeben werden, z.B. bei Asthma und auch dann nur niedrig dosiert oder über Inhalation (Aerokat).

Der Diabetes ist dann eventuell reversibel (transienter Diabetes), d.h. er zieht sich zurück (Remissionsphase, Honeymoon). Viel hängt dabei von einer vorsichtigen Anfangsdosierung ab.


Behandlung
Grundsatz: Übergewichtige Tiere sollte man auf jeden Fall auf eine vorsichtige Diät setzen und langsam das Gewicht reduzieren (ca. 1-2% des Körpergewichts/Woche).


Orale Antidiabetika

Die Behandlung des Diabetes selbst erfolgt durch Tabletten oder mit Insulin. Viele diabetische Katzen sprechen jedoch leider nicht erfolgreich auf die Tabletten an. Ein Versuch lohnt sich nur in Fällen von gering ausgeprägtem Diabetes. Die meisten Katzen werden nach kurzer Zeit doch insulinpflichtig. Außerdem können die Tabletten zu Leberproblemen führen.

Das in der Veterinärmedizin bislang gängige Medikament Glipizid (aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe) ist in Deutschland mittlerweile vom Markt genommen worden. Für andere Sulfonylharnstoffe liegen derzeit keine klinischen Studien an Katzen vor (Stand Juli 2005). Daher kann eine Therapie mit oralen Antidiabetika nicht empfohlen werden.


Insulineinstellung

Unter Insulineinstellung versteht man, die richtige Dosis für das jeweilige Tier zu finden. Dem Körper muss so viel Fremdinsulin zugeführt werden, dass er die Nahrung verwerten kann, und es gilt, sich langsam an die richtige Menge heranzutasten. Das kann eine Sache von Wochen und Monaten sein. Eine schnelle Einstellung in einer Klinik oder TA-Praxis ist oft nicht von Erfolg gekrönt, weil die Tiere dort nicht regelmäßig fressen und unter Stress stehen. Dabei werden Hormone ausgeschüttet, die das Insulin „ausbremsen“. Das Tier wirkt dann insulinresistent und die Startdosis fällt oft viel zu hoch aus. Zu Hause ist die Einstellung mit Hilfe von Hometesting wesentlich einfacher und durchschaubarer. Mit dem TA kann man die zu Hause gemessenen Werte durchsprechen und über eine Anpassung der Dosis sprechen.

Die Behandlung mit Insulin erfolgt bei Katzen zweimal am Tag, im Abstand von 12 Stunden. Es wird mit Insulinspritzen subkutan (unter die Haut) gespritzt.
Eine niedrige Startdosis ist zu empfehlen.  Eine relativ sichere Startdosis bei allen Insulinen sind 0,25 IE pro kg Körpergewicht, zweimal täglich, bei übergewichtigen Tieren ausgehend vom Idealgewicht. Sonst rutscht man zu schnell über die richtige Dosierung hinweg. Die Erhöhungen sollten, falls nötig, wöchentlich in kleinsten Schritten vorgenommen werden.

Das in Deutschland gängige Einstiegsinsulin ist Pro Zink. Tierärzte sind per Gesetz verpflichtet, es als Erstinsulin einzusetzen. Es ist ein U 40- Insulin, dazu gibt es passende U -40-Insulin-Spritzen. Insulin wird in Einheiten (IE) verordnet, nicht in ml. Es ist auch möglich, ein U 40 –Insulin mit U 100-Spritzen zu verabreichen, dafür ist jedoch eine Umrechnung notwendig. Wie das geht, findest du auf der unten erwähnten HP auf der Seite “ Insulin und Spritzen“. Man kann mit den U 100-DEMI-Spritzen sehr fein dosieren, auf 0,2 IE genau. Bei Katzen hat sich das als sehr vorteilhaft erwiesen.


Startdosierung Katzen:

Initiale Pro Zink-Dosis 0,2 - 0,4 IE/kg Körpergewicht

Quelle:
Pro Zink
 

 

Wir haben mit der Niedrigstartdosierung von 0,25 IE /pro kg Körpergewicht die besten Erfahrungen gemacht! Ketonkontrolle (s.a. unter Stichwort Ketone) ist dabei jedoch sehr wichtig!


Eine gute Einstellung ist gekennzeichnet durch ein ungestörtes Allgemeinbefinden des Tieres, d.h. die Lebensqualität sollte deutlich wieder zunehmen, ein normales Trink- und Fressverhalten, ein stabiles Normalgewicht und - bei Anwendung von Pro Zink und ähnlich wirkenden Insulinen - eine Blutzuckerkonzentration über den Tag zwischen ca. 200 mg/dl (vor Futter und Spritze) und 80 mg/dl (bei höchstem Wirkungsgrad des Insulins). Deutlich unter 80 mg/dl lässt man die Werte aus Sicherheitsgründen unter Pro Zink nicht sinken. Wenn man vor der Insulingabe also sehr niedrige Werte misst, 200 mg/dl oder noch weniger, sollte man entweder das Insulin einmal ganz weglassen oder nur noch eine ganz geringe Dosis geben. Man riskiert sonst eine Unterzuckerung oder hohe Werte durch Gegenregulation. Lieber einige Stunden hohe Werte, als wenige Minuten zu niedrige!



Das Finden der richtigen Dosis ist eine Gratwanderung zwischen zu wenig Insulin (die Folge könnte eine lebensbedrohliche Ketoazidose sein) oder zuviel Insulin (die Folge könnte eine lebensbedrohliche Unterzuckerung sein).

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Eine Unterzuckerung durch zuviel Insulin oder durch Erbrechen nach Futteraufnahme oder bei Durchfall kann eine lebensbedrohliche Situation sein. Es ist wichtig, die Symptome zu kennen:

• ungewöhnlich lautes Miauen
• torkelnder Gang oder Laufen im Kreis
• glasige Augen, die ins Leere starren
• ungewöhnlicher Hunger
• Orientierungslosigkeit
• Unruhe
• Muskelschwäche
• Versteck an unüblichen Plätzen
• Teilnahmslosigkeit
• manchmal Erbrechen
• übermäßiges Speicheln
• Husten
• aggressives Verhalten
• große Schläfrigkeit
• Krämpfe und Zuckungen
• nicht mehr ansprechbar (Koma)

Mit Hilfe eines Glukometers (Blutzucker-Messgerät) kann man eine beginnende Unterzuckerung sicher erkennen. So sollte man Werte unter 100 mg/dl (5,5 mmol/l), die durch Fremdinsulin zustande kommen, sorgfältig im Auge behalten und eventuell schon zusätzlich füttern.

Bei weiter sinkenden Werten unter 50 mg/dl gibt man Traubenzucker oder Jubin (Glukose-Gel in der Tube) und beobachtet das Tier sorgfältig. Zur Not tut es auch Honig, der auf das Zahnfleisch geschmiert wird. Katzen, die Freigänger sind, dürfen in diesem Stadium nicht nach draußen gelassen werden. Komatöse Katzen bekommen diese Hilfsmittel nicht oral, sondern rektal. Sie könnten sich sonst verschlucken und dabei ersticken.

Messen sollte man in diesem Zustand alle 15 Minuten, bis die Werte wieder deutlich ansteigen.

Achtung: Ein Tier mit einer schweren Hypoglykämie (Hypo) mit Krämpfen oder Koma gehört jedoch in sofortige tierärztliche Behandlung. Man darf dabei keine Zeit verlieren, denn eine Hypo kann tödlichen Ausgang haben oder zu schweren, irreparablen neurologischen Folgeschäden führen. Dem TA stehen z.B. durch intravenöse Infusionen noch andere Mittel zur Verfügung, das Tier aus der schweren Hypo rauszuholen.



Ketone / Ketoazidose

Zu wenig Insulin kann zu einer Ketoazidose (= gefährliche, lebensbedrohliche Entgleisung des Stoffwechsels) führen, die sich im Urin des Tieres durch Ketonkörper ankündigt. Diese entstehen, wenn der Körper Fett verbrennen muss, um es in Energie umzuwandeln. Sie bilden sich gewöhnlich bei einem Tier, das nicht genug Insulin bekommt oder nicht genug Futter oder nicht die richtige Kombination aus beidem. Ketone treten auch häufig bei Infektionen auf.

Durch Urinmessungen mit Ketostix oder ähnlichen Teststreifen kann man der Gefahr von Ketonen rechtzeitig entgegentreten. Sie müssen umgehend behandelt werden, bei hohen Zuckerwerten mit mehr Insulin, mehr Futter, viel Flüssigkeit und am besten durch eine vom TA durchgeführte Infusion (Na Cl 0,9 %). Da oft ein Infekt vorliegt, empfiehlt sich auch die Gabe eines Antibiotikums. Ein Tier mit richtiger Ketoazidose ist ein Intensivfall und muss in der Tierklinik behandelt werden.



Wenn eine Katze bereits einmal eine Ketoazidose hatte oder schnell Ketone bekommt, würde ich das Messen auf Blutketone vorziehen. Dafür gibt es Glukometer, die nicht nur auf Glukose, sondern auch auf Blutketone messen, die Teststreifen sind leider teuer. Es lohnt sich jedoch, denn die Behandlung einer Ketoazidose ist sehr aufwändig, teuer und hat oft ungünstigen Ausgang. Also lieber vorbeugen und Ketone im Keim ersticken.

Ich hatte immer das Glucomen LX Plus neuerdings gibt es noch ein Gerät. Beide Geräte sind in Apotheken erhältlich, aber auch bei http://www.tierdiabetes-shop.de

Gegenregulation (=Somogyi-Effekt, Rebound))

Gegen Unterzuckerung durch zuviel Insulin schützt sich der Körper manchmal mit einer Gegenregulation mittels Ausschüttung von Glukosereserven aus der Leber, die den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Die dann oft stark erhöhten Zuckerwerte können den Anschein erwecken, es müsse mehr Insulin gegeben werden. Bei Verdacht auf Somogyi ist die Insulindosis jedoch deutlich zu verringern. Nach einigen Tagen pendeln sich die Werte dann wieder auf einem niedrigen Level ein. Der Somogyi-Effekt ist lebensrettend, funktioniert jedoch nicht immer, man darf sich also nicht auf ihn verlassen. Irgendwann sind die Ressourcen der Leber erschöpft, dann bekommt das Tier durch zuviel Insulin eine Unterzuckerung.

Wenn durch mehr Insulin die Werte also ansteigen, sollte man immer an den Somogyi-Effekt denken und das Insulin nicht weiter erhöhen, sondern reduzieren. Ketonkontrolle bei Reduzierung ist besonders wichtig!


„Insulinresistenz“

Oft kommt es dir oder dem TA nach einiger Zeit so vor, als ob dein Tier nicht richtig auf Insulin reagiert. Es tut sich nichts bei den Werten, sie bleiben hoch oder werden durch immer mehr Insulin noch höher. Schnell liegt da der Verdacht einer Insulin-Resistenz nah. Eine echte Insulinresistenz ist bei Katzen sehr selten. Sie ist meistens hausgemacht.

 

http://www.katzendiabetes.info/somogyi.php TA-Seite

 

Wenn die Werte also nicht fallen wollen, beachte bitte die folgenden Punkte:

• Das Insulin ist zu alt und wirkt nicht mehr.
• Das Insulin ist verdünnt (macht man heutzutage nicht mehr!)
• Das Insulin wird falsch verabreicht.
• Die Insulinmenge stimmt nicht.
• Ein Somogyi-Effekt ist eingetreten (
sehr häufig bei Insulinen, die heftigen Fall verursachen, lies unbedingt nach!)
• Das Insulin wird nur einmal verabreicht. Fast alle Katzen brauchen zwei Insulingaben täglich.

Es haben sich Antikörper gegen das verwendete Insulin gebildet.
• Das Tier hat eine Infektion (
häufig! z.B. latente Harnwegsinfekte, Entzündungen des Zahnfleisches, kranke Zähne..)
• Akromegalie
• Cushing-Syndrom
• Schilddrüsenüberfunktion
• Niereninsuffizienz
• Herzinsuffizienz
• Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
• Exokrine Pankreas Insuffizienz (EPI)
• Diabetogene Medikamente, z.B. Cortison oder Progestagene (zum Unterdrücken der Rolligkeit)

Folgeerscheinungen zu hoher Blutzuckerwerte
Dies sind bei Katzen in erster Linie Probleme beim Laufen (plantigrader, bärentatziger Gang) und Springen (= diabetische Neuropathie). Durch eine gute Insulin-Einstellung sind diese Erscheinungen reversibel. Unterstützt werden kann der Heilungsprozess durch Gaben von Methylcobalamin plus Folsäure (z.B. Xobaline/Zobaline). Näheres dazu auf der unten genannten Homepage, Kapitel Neuropathie.
Eine weitere Folgeerkrankung kann eine schleichend eintretende Verschlechterung der Nierenfunktion sein. Bei ersten Anzeichen dafür, die im Organprofil sichtbar werden, sollte man durch geeignete Maßnahmen versuchen, die Nierenfunktion zu unterstützen. Es ist deshalb auch wichtig, regelmäßig beim TA ein Organprofil und ein Blutbild erstellen zu lassen.

Häufig treten auch Harnwegsinfektionen auf, weil die Bakterien im süßen Urin ideale Lebensmöglichkeiten vorfinden. Die Behandlung ist oft langwierig. Antibiotika müssen lange genug gegeben werden, mindestens 14 Tage und möglichst nach Urinkultur + Antibiogramm, damit man auch das richtige Antibiotikum verabreicht.

Schädigungen der Sehkraft (Katarakt) treten bei diabetischen Katzen nur äußerst selten, bei Hunden jedoch häufiger auf.


Was ist Hometesting?

Mit einem Glukometer wird zu Hause der Blutzucker gemessen (gilt gleichermaßen für Hund und Katze). Das ist für das Tier leichter zu ertragen als die stressigen Messungen beim TA, und für den Tierarzt sind die so gemessenen Werte eine wertvolle Hilfe. Hometesting gibt Sicherheit und tut dem Tier nicht weh. Mit einem winzigen Pieks wird dem Tier Blut aus dem Ohrrand entnommen. Der Vorteil ist, dass man immer weiß, wo die Blutzuckerwerte aktuell stehen, zu hoch, zu niedrig oder gerade richtig. Beim Tierarzt ist das Blutabnehmen in der Regel für die Katze sehr stressig. Dadurch erhöhen sich die Zuckerwerte und erschweren die richtige Einstellung (Stress-Hyperglykämie). Mit Hometesting kann man eine Unterzuckerung, aber auch eine Überzuckerung rechtzeitig erkennen und schnell eingreifen.
Das macht die Einstellung insgesamt wesentlich sicherer und durchschaubarer.

Folgende Glukometer eignen sich für Tiere:

1. Contour XT 0, 6 µl Blut , sehr einfach zu bedienen
2. Accu Chek Aviva 0, 6 µl Blut
3. Freestyle Precision 0,6 µl( misst auch auf Blutketone!!!)

4. Glucomen LX PLUS (misst auch auf Blutketone!

und andere…


Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar. Es kommen auch ständig neue Geräte auf den Markt, die die Bedingungen erfüllen. Es gibt neuerdings auch Geräte für Tiere, damit haben wir nur wenig Erfahrungen sammeln können, die Geräte und die Teststreifen sind den meisten Leuten zu teuer. Ich habe in Clydes 9 Diabetesjahren ausschließlich mit Glukometern aus der Humanmedizin gemessen (überwiegend mit dem Contour), Clyde war damit bestens eingestellt. Der Beweis war ein guter Fructosaminwert und seine Lebensqualität.

Manche Glukometer eignen sich nicht, verlangen zuviel Blut. Schon 2 µl sind am Anfang für den Ungeübten viel. Glukometer und dazugehörige Teststreifen kann man günstig über ebay ersteigern. In Apotheken ist beides sehr teuer. Sehr günstig ist z.B. diverse Online-Apotheken …

Die Reihenfolge beim Einstellen mit Hometesting ist folgende:

1. Blutzucker messen
2. Füttern
3. Insulin verabreichen

 

Kurz: Messen, Fressen, Spritzen!

Kein Insulin VOR dem Fressen geben! Das macht man aus Sicherheitsgründen beim Tier nicht, weil man nicht weiß, ob es genug frisst oder sogar das Fressen ganz verweigert. Hat man gespritzt und das Tier frisst nicht oder zu wenig, muss man über Stunden das Insulin beschäftigen! Eine mühselige Angelegenheit, aber notwendig, damit keine Unterzuckerung eintritt.


Lebenserwartung und Lebensqualität:

Diabetische Hunde und Katzen haben bei guter Einstellung, wenn nicht zusätzliche Erkrankungen auftreten, eine fast normale Lebenserwartung. Dazu gehören natürlich auch akzeptable Blutzuckerwerte und damit verbunden das Vermeiden von Folgeerkrankungen. Regelmäßige Checks durch den Tierarzt (Fructosaminwert, Nierenwerte, Leberwerte , Zahnkontrolle, Urinkontrolle etc.) sind unerlässlich.

Die Lebensqualität ist in dem Moment wieder da, wenn die Diabetes-Symptome (siehe oben) wieder verschwunden sind. Das geht oft erstaunlich schnell.


Ist Freigang bei Katzen weiterhin möglich?

Ja, wenn man über die Zuckerwerte des Tieres einen Überblick hat. Hometesting ist auch hier sehr hilfreich. Katzen, die tagelang nicht nach Hause kommen oder nur SEHR unregelmäßig, würde ich jedoch nicht rauslassen. Mein eigener Kater Clyde war über die 9 Diabetes-Jahre Freigänger. Er kam auf Rufen nach Hause oder hatte die Zeiten im Kopf
J


Futter

Solltest du Probleme bei der Regulierung deines Tieres haben, lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob die Ursache im Futter liegen kann (Art des Futters, Zeitpunkt des Fütterns, Futtermenge). Richtiges hochwertiges Futter in der richtigen Menge zur richtigen Zeit ist die halbe Einstellung. Es muss nicht unbedingt teures Diätfutter sein, es gibt genug hochwertiges Katzenfutter, das gute Blutzuckerwerte ermöglicht. Sehr positiv bemerkbar macht sich hier ein hoher Proteinanteil im Futter. Zucker, Karamell und billige Getreidesorten sollte das Katzenfutter aber auf keinen Fall beinhalten!

 

http://www.pfoetchenbasar.de/200-futtermarken-info/ sehr viele Futterempfehlungen zu geeignetem Nassfutter

Auch Trockenfutter aller Art sollte man möglichst vermeiden. Es gibt nur wenige Trockenfutter mit einem Kohlenhydratanteil unter 10 % in der Trockenmasse, siehe obige Liste.

Durch Hometesting merkt man schnell, wie ein Tier auf die einzelnen Futtersorten reagiert.

Zum Spritzen und zum Umgang mit Insulin:

Das Insulin wird im Kühlschrank aufbewahrt. Es darf nicht durchfrieren, nicht zu warm werden, muss lichtgeschützt aufbewahrt werden.

ProZink muss vor dem Spritzen sehr sorgfältig zwischen den Händen gerollt werden, damit es sich gut vermischt.


Es gibt spezielle U 40 Spritzen. Reine ml-Spritzen sind unprofessionell. Die Insulinspritzen verwendet man nur einmal. Sie verbiegen schnell und die Injektion tut dann weh. Zudem wird das Insulin bei mehrmaligem Gebrauch verunreinigt und verdirbt dann.

 

Ein Pen ist nicht zu empfehlen, man kann nicht fein genug dosieren, nur auf 0,5 IE genau. Zudem tropfen Pen´s nach und man muss die Nadel 10 Sekunden in der Katze halten. Feinstdosierung ist möglich mit U 100 DEMI-Spritzen, dazu muss umgerechnet werden, das ist aber nicht schwer.

 


Pro Zinkist nach Anbruch des Behältnisses ca. 28 Tage bei Lagerung unter 25 °C haltbar. Bei 2° C bis 8° C lagern. Nicht einfrieren. Vor Licht geschützt im Umkarton aufbewahren.




Kosten

Wenn man normales Futter gibt, fallen dadurch keine zusätzlichen Kosten an. Diätfutter ist teurer und nicht zwingend notwendig. Auf hochwertiges proteinreiches Futter ohne Zucker, Karamell und Getreide achten!

Pro Zink-Insulin kostet um die 55 Euro pro 10 ml- Flasche je nach TA, ein Fläschchen reicht für mehrere Wochen.

Glukometer und Teststreifen kann man am besten über eBay oder über den Tierdiabetes-Shop kaufen. 50 Teststreifen kosten bei eBay ca. 20 Euro oder weniger. Mindestens 100 Teststreifen braucht man pro Monat. Das sind 40 Euro, die sich lohnen. Kontrollmessungen beim TA kosten auch Geld und man hat nicht den täglichen Überblick.

 



Ketostix zur Messung auf Ketone kosten um 8 Euro herum, 50 Stück.

Damit kann nur im Urin auf Ketone gemessen werden. Wenn sie dort auftauchen, sind sie im Blut bereits sehr hoch!!

 

Zum Messen auf Blutketone benötigt man das Glucomen LX PLUS. Die Teststreifen dafür sind leider nicht billig. Bei Katzen, die zu Ketonen neigen bzw. bereits eine Ketoazidose hatten, ist dieses Gerät jedoch sehr zu empfehlen. Auch bei Insulinreduzierung ist es eine wertvolle Hilfe. Blutketonmessung bringt große Sicherheit in die Einstellung.

 


Weitere TA-Kosten fallen in der Regel nur bei Komplikationen oder bei der wichtigen Ursachenforschung an.


Dies sind nur einige Erstinformationen!!


Wichtig: Sollte eine Einstellung mit Pro Zink nicht binnen weniger Wochen Erfolg bringen, lohnt sich der Umstieg auf ein anderes lang- und langsamwirkendes Insulin wie Lantus oder Levemir. Auch dazu kann man etliches  im Forum nachlesen. Diese beiden Langzeitinsuline eignen sich vor allem für Katzen, die mehrmals am Tag kleine Mahlzeiten gewohnt sind und für Katzen, die unter Pro Zink keine zufriedenstellenden BZ-Werte entwicklen. Die meisten Katzen fühlen sich unter diesen Insulinen deutlich besser.

 Caninsulin wird in der Regel nur für Hunde verwendet. Bitte sprecht den Tierarzt darauf an und bittet wenigstens um Pro Zink-Insulin.


Und zum Schluss: Ein diabetisches, insulinpflichtiges Tier muss behandelt werden, man verurteilt es sonst zu einem grausamen, vermeidbaren Tod.

 

Copyright Helga Schoolmann, März 2013

 
Änderungen Doris Timmermann

 

In meinem Forum stehen wir dir gerne für weitere Fragen zur Verfügung!

Forum Diabeteskatzenvolk